Hilft Diversifikation im Crash? Aktien, Anleihen und Gold
Diversifikation verhindert keinen Crash, kann aber ändern, wie tief er geht. Wie sich Aktien, Anleihen und Gold bewegten und wann auch Anleihen fielen.
Aktualisiert
Diversifikation verhindert keinen Crash, kann aber ändern, wie tief er geht. Wie sich Aktien, Anleihen und Gold bewegten und wann auch Anleihen fielen.
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Diversifikation verhindert keinen Crash, sie kann aber verändern, wie tief der Absturz geht, und wie stark, hängt davon ab, worauf man streut. Wir haben 1.000 Pfade über je 20 Jahre simuliert und für jeden Pfad den tiefsten Drawdown gemessen, also den größten Rückgang unter einen vorherigen Höchststand. Der Median (das mittlere Ergebnis) lag beim S&P 500 allein bei -29 % und bei Aktien aus mehreren Regionen bei -30 %, bei 60 % Aktien und 40 % Anleihen dagegen bei -18 %. Anleihen helfen aber nicht immer: 2022 fielen sie zusammen mit den Aktien. Und im Median dieser Simulation wuchs die 60/40-Mischung weniger als der S&P 500 allein.
Die Korrelation misst auf einer Skala von −1 bis 1, wie stark sich zwei Anlagen in dieselbe Richtung bewegen; je näher an 1, desto gleichläufiger. Diversifikation hilft, wenn eine Anlage in den Monaten standhält, in denen eine andere fällt.
Wie der Artikel zur Monte-Carlo-Simulation erklärt, wechselt das Modell dieser Seite zwischen einem ruhigen Regime und einem wilden Regime, in dem die Kurse stärker schwanken und öfter fallen. An die gesamte Historie angepasst, ergibt das Modell in jedem Regime diese Korrelationen mit dem S&P 500:
| Korrelation mit dem S&P 500 | Ruhiges Regime | Wildes Regime |
|---|---|---|
| Industrieländer-Aktien ohne USA (EFA) | 0,80 | 0,91 |
| Schwellenländer-Aktien (EEM) | 0,67 | 0,82 |
Das wilde Regime ist nicht dasselbe wie ein Crash: Es ist eine Phase größerer Schwankungen, die im Schnitt 3,4 Monate dauert. Beide Korrelationen sind schon hoch und steigen im wilden Regime weiter: Aktien rund um die Welt geraten meist gemeinsam unter Druck.[1][2] Die Gesamtrenditen der Kalenderjahre in Dollar, mit reinvestierten Dividenden, zeigen dasselbe. 2008 brachte der S&P 500 -36,8 %, Industrieländer-Aktien -41,0 % und Schwellenländer-Aktien -48,9 %: Alle drei fielen kräftig.
Andere Anlagen haben sich anders verhalten. Hier das annualisierte Wachstum jeder Anlage im wilden Regime desselben Modells:
| Anlage | Korrelation mit dem S&P 500 (wild) | Wachstum im wilden Regime (p. a.) |
|---|---|---|
| S&P 500 (SPY) | - | -8,1 % |
| US-Anleihen gesamt (AGG) | 0,30 | 3,7 % |
| US-Staatsanleihen langfristig (TLT) | -0,01 | 7,5 % |
| Gold (GLD) | -0,07 | 13,4 % |
Im wilden Regime des Modells fielen Aktien im Schnitt, während Anleihen und Gold im Plus lagen. Eine annualisierte Rate gibt an, worauf sich das Tempo über ein ganzes Jahr summieren würde; wilde Phasen enden meist nach wenigen Monaten, das sind also keine Ergebnisse für ein Jahr. Anleihen und Gold haben außerdem kürzere Historien als der S&P 500. Ihre Zahlen beruhen deshalb auf weniger wilden Monaten, und sicher ist nicht einmal, dass sie wirklich positiv waren.
Das Kalenderjahr 2008 passt dazu. Gegenüber -36,8 % beim S&P 500 brachten US-Anleihen 7,9 %, langfristige US-Staatsanleihen 34,0 % und Gold 4,9 %.
Anleihen schützen ein Portfolio nicht immer. 2022 brachte der S&P 500 -18,2 %, US-Anleihen gesamt -13,0 % und langfristige US-Staatsanleihen -31,2 %; die langfristigen Staatsanleihen fielen also stärker als die Aktien. Gold brachte -0,8 %.
In diesem Jahr drückten hohe Inflation und schnell steigende Zinsen Aktien und Anleihen gemeinsam nach unten. Anleihekurse fallen, wenn die Zinsen steigen, und je länger die Laufzeit, desto tiefer. Wenn eine schwächere Wirtschaft die Zinsen senkt, federn Anleihen Aktien meist ab. Sind steigende Zinsen die Ursache des Rückgangs, können Anleihen mit den Aktien fallen.[3]
Der Wandel zeigt sich auch in den Korrelationen:
| Korrelation mit dem S&P 500 (monatlich, tatsächlich) | 2005 bis 2020 | 2021 bis 2025 |
|---|---|---|
| US-Anleihen gesamt (AGG) | 0,04 | 0,63 |
| US-Staatsanleihen langfristig (TLT) | -0,31 | 0,57 |
| Gold (GLD) | 0,07 | 0,14 |
Korrelation ist keine feste Eigenschaft, sie ändert sich mit der Zeit. Vergleiche die Korrelationsmatrix für 2021 bis 2025 mit der Matrix für 2005 bis 2020, um den Wandel zu sehen.
Um zu sehen, was das für dein Geld heißt, haben wir vier Mischungen unter diesen Bedingungen verglichen:
Der tiefste Drawdown eines Pfads ist sein größter Rückgang unter einen vorherigen Höchststand, gemessen zum Monatsende.
Median10. Perzentil
Aktien auf mehrere Regionen zu verteilen, machte den Drawdown nicht flacher. Der Grund: Im wilden Regime sind die Korrelationen hoch, und in diesem Regime schwanken auch die beiden anderen Märkte stärker. Die annualisierte Volatilität (die Größe der Schwankungen) liegt bei 24 % für Industrieländer-Aktien und 32 % für Schwellenländer-Aktien, gegenüber 21 % beim S&P 500. Auch ihr Wachstum im ruhigen Regime ist niedriger. Mit 40 % Anleihen ging der Median von -29 % auf -18 % zurück und das 10. Perzentil von -45 % auf -30 %. Ein 10. Perzentil von -30 % heißt: Auf einem von zehn Pfaden fiel das Portfolio irgendwann mindestens so weit unter seinen Höchststand.
10 % des Portfolios von Anleihen in Gold umzuschichten, machte den Drawdown in diesem Vergleich etwas flacher, aber viel weniger, als es die Anleihen taten.
Anleihen haben ihren Preis. So standen die Mischungen im selben Experiment nach 20 Jahren, als Vielfaches des Startbetrags:
| Guthaben nach 20 Jahren (Vielfaches) | 10. Perzentil | Median | 90. Perzentil |
|---|---|---|---|
| Nur S&P 500 | 2,6 | 8,8 | 22,2 |
| Aktien, 3 Regionen | 2,2 | 7,2 | 20,4 |
| 60 Aktien / 40 Anleihen | 2,3 | 5,0 | 9,1 |
| 60 / 30 Anleihen / 10 Gold | 2,9 | 6,1 | 10,8 |
Die 60/40-Mischung hat einen niedrigeren Median als der S&P 500 allein, und beim 90. Perzentil ist der Abstand größer. Beim 10. Perzentil ist er klein. In diesem Experiment verändern Anleihen also vor allem zwei Dinge: wie weit die guten Pfade wachsen und wie tief die Rückgänge unterwegs sind, weniger, wo die schlechten Pfade enden.
Die Mischung mit 10 % Gold statt Anleihen lag in diesem Vergleich auf allen drei Stufen vor 60/40. Das spiegelt den starken Lauf von Gold im Datenzeitraum wider; es heißt nicht, dass ein Tausch von Anleihen gegen Gold die Rendite erhöht.
Die Zahlen allein sagen nicht, was besser ist. Die passende Mischung hängt davon ab, welchen Rückgang du aussitzen könntest, ohne zu verkaufen, und wann du das Geld brauchst. Entnimmst du bereits, beeinflusst die Tiefe eines Rückgangs über das Reihenfolgerisiko auch, wie lange dein Geld reicht. Eine eigene Mischung kannst du im Portfolio-Simulator ausprobieren.