Einmalanlage oder Sparplan: Was bringt am Ende mehr?
Derselbe Betrag auf einmal angelegt oder über 1 bis 20 Jahre verteilt, in 1.000 simulierten Pfaden: was am Ende vorn lag und wie tief die Buchverluste gingen.
Aktualisiert
Derselbe Betrag auf einmal angelegt oder über 1 bis 20 Jahre verteilt, in 1.000 simulierten Pfaden: was am Ende vorn lag und wie tief die Buchverluste gingen.
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In der Simulation lag eine Einmalanlage, also ein vorhandener Betrag, der auf einen Schlag investiert wird, am Ende öfter vorn als der gestaffelte Einstieg (ein Sparplan, der einen vorhandenen Betrag nach und nach anlegt). Wir haben denselben Betrag in den S&P 500 angelegt, entweder auf einmal oder in Teilen über 12, 36 oder 60 Monate, in 1.000 Pfaden, jeder davon 20 simulierte Marktjahre. Die Einmalanlage lag am Ende in 72 %, 79 % und 84 % der Pfade jeweils vorn. Der gestaffelte Einstieg hielt die Buchverluste dafür flacher, wenn kurz nach dem Start ein Crash kam. Es ist eine Abwägung zwischen Wachstum und der Frage, welchen Rückgang du aussitzen kannst, und für beide Seiten gibt es Gründe.
Gestaffelt einsteigen (englisch Dollar-Cost-Averaging) heißt hier: einen Betrag, den du schon hast, in gleichen Teilen über eine Zahl von Monaten anlegen. Der Aufbau:
Das Modell wechselt zwischen einem ruhigen Regime, in dem sich die Kurse sanft bewegen, und einem wilden Regime, in dem sie stark schwanken und öfter fallen. Wie es funktioniert, erklärt „Monte-Carlo-Simulation für den ETF-Sparplan einfach erklärt“.
Hier das Geld nach 20 Jahren als Vielfaches des Startbetrags. Das 10. Perzentil ist der Wert, unter dem einer von zehn Pfaden endete.
10. bis 90. PerzentilMedian
| Geld nach 20 Jahren (×) | 10. Perzentil | Median | 90. Perzentil | Einmalanlage lag vorn |
|---|---|---|---|---|
| Alles auf einmal | 2,93 | 8,16 | 24,74 | - |
| Über 12 Monate | 2,90 | 7,87 | 23,70 | 72 % |
| Über 36 Monate | 2,77 | 7,31 | 20,56 | 79 % |
| Über 60 Monate | 2,68 | 6,79 | 18,38 | 84 % |
| Monatlich über 20 Jahre | 2,04 | 3,98 | 8,66 | 96 % |
Die Einmalanlage hatte den höchsten Median und das höchste 90. Perzentil, und je länger das Geld verteilt wurde, desto niedriger lagen beide. Der Grund ist einfach: Geld, das früher hineinfließt, liegt länger in Aktien. Auch die Staatsanleihen mit dem wartenden Geld wuchsen, nur langsamer: In den 20 Jahren ab 2006 brachten sie 1,9 % im Jahr, der S&P 500 11,1 %.
Welcher Plan vorn liegt, entscheidet sich, solange das Geld noch hineinfließt. Ist der letzte Teil angelegt, halten beide dieselben Aktien und steigen und fallen um denselben Prozentsatz. Deshalb war der Anteil der Pfade, in denen die Einmalanlage vorn lag, nach 5 oder 10 Jahren derselbe wie nach 20.
Auch beim 10. Perzentil lag die Einmalanlage vorn: etwa gleichauf mit der Verteilung über 12 Monate und umso deutlicher, je länger das Geld verteilt wurde. Das vergleicht aber das jeweils eigene 10. Perzentil der Pläne, nicht dieselben Pfade. Nimmt man nur die Pfade, auf denen die Einmalanlage in ihrem schlechtesten Zehntel landete, lag die Verteilung über 60 Monate in 44 % davon vorn. Über alle Pfade lag die Einmalanlage in 84 % vorn, und die Verteilung gewann nur im Rest. Im schlechtesten Zehntel der Einmalanlage gewann die Verteilung also weit öfter als insgesamt. Eine Einmalanlage fällt vor allem dann zurück, wenn Aktien in den Jahren, in denen das Geld hineinfließt, weniger wachsen als die wartenden Staatsanleihen. Je schlechter der Start, desto eher zahlt sich der gestaffelte Einstieg aus.
Selbst die schlechten Ergebnisse der Einmalanlage lagen nach 20 Jahren weit über dem Startbetrag. Den Hintergrund zeigt die eigene Historie des S&P 500 nach Haltedauer. Das Diagramm zeigt, wie stark die annualisierte Gesamtrendite je nach Startmonat schwankte, für jeden Start seit 1993.
Schlechtester bis bester10. bis 90. PerzentilMedian
Bei einem Jahr Haltedauer reichte die annualisierte Rendite von -43,4 % bis 56,2 %, und 18 % der Zeiträume endeten mit Verlust. Selbst über 10 Jahre endeten 8 % der Zeiträume mit Verlust (der schlechteste mit -3,4 % im Jahr). Kein Zeitraum von 12 Jahren oder mehr endete in diesen Daten mit Verlust, und die schlechtesten 20 Jahre brachten 4,7 % im Jahr.
Eine Einmalanlage liegt fast die ganzen 20 Jahre in Aktien. In der Vergangenheit endete jeder so lange Zeitraum über seinem Startwert. Das Modell zeigt dasselbe Muster: Das 10. Perzentil der Einmalanlage lag nach 5 Jahren bei 1,06× und nach 20 bei 2,93×. Ein paar Einschränkungen:
Im Modell endete eine Einmalanlage nach 20 Jahren trotzdem in 0,7 % der Pfade unter dem Startbetrag. Was in den Daten nie geschah, kann in einem Modell, das nicht an die tatsächliche Reihenfolge der Geschichte gebunden ist, selten doch passieren. Über eine kürzere Spanne ändert sich das Bild: Nach 5 Jahren lag die Einmalanlage in 7 % der Pfade unter dem Startbetrag, und ihr 10. Perzentil lag etwa gleichauf mit der Verteilung über 60 Monate (1,07×), die knapp vorn lag.
Dieselben Zahlen nach Haltedauer stehen in der Tabelle auf der S&P-500-Seite der Indexdaten.
Was die Verteilung bringt, zeigt sich unterwegs. Wir haben verglichen, wie weit der ganze Betrag, das noch wartende Geld eingeschlossen, irgendwann unter seinen Startwert fiel (der Buchverlust).
| Tiefster Buchverlust über 20 Jahre | Median | 10. Perzentil |
|---|---|---|
| Alles auf einmal | -4,1 % | -24 % |
| Über 12 Monate | -2,2 % | -21 % |
| Über 36 Monate | -0,9 % | -16 % |
| Über 60 Monate | -0,5 % | -12 % |
| Monatlich über 20 Jahre | -0,1 % | -1 % |
Bei der Einmalanlage hatte einer von zehn Pfaden irgendwann einen Buchverlust von -24 % oder mehr. Über 60 Monate verteilt lag dieser Wert für einen von zehn bei -12 %.
Am ehesten bereut man die Einmalanlage auf den Pfaden, auf denen der Crash direkt nach dem Einstieg kommt. Wird danach nichts eingezahlt oder entnommen, endet eine Einmalanlage mit demselben Betrag, ob der Crash in Jahr 1 oder in Jahr 10 kommt. Wer aber nach einem großen Rückgang aus Angst verkauft, macht den Verlust endgültig. Wird das Geld verteilt, kauft jeder Teil zu einem anderen Kurs, also zählt auch hier der Zeitpunkt: Ein Rückgang, solange das Geld noch hineinfließt, lässt die späteren Teile günstiger kaufen. Es ist derselbe Mechanismus wie beim Reihenfolgerisiko, wo der Zeitpunkt eines Crashs zählt, solange Geld entnommen wird, nur hier beim Einstieg statt beim Ausstieg.
Der gestaffelte Einstieg wird oft für den Cost-Average-Effekt gelobt. Wer jeden Monat denselben Betrag anlegt, kauft bei niedrigem Kurs mehr Anteile und bei hohem weniger, sodass der durchschnittliche Einstandspreis pro Anteil am Ende unter dem durchschnittlichen Kurs des Zeitraums liegt. Das stimmt. Es heißt aber nicht, dass du am Ende mehr hast als mit einer Einmalanlage.
Nimm 900 €, angelegt als 300 € im Monat über drei Monate oder alles auf einmal zu Beginn (erfundene Kurse, um die Rechnung zu zeigen):
| Kursverlauf | Einstandspreis (verteilt) | Durchschnittskurs | Wert in Monat 3 (verteilt) | Wert in Monat 3 (Einmalanlage) |
|---|---|---|---|---|
| 100 € → 50 € → 100 € | 75 € | etwa 83,33 € | 1.200 € | 900 € |
| 100 € → 150 € → 200 € | etwa 138,46 € | 150 € | 1.300 € | 1.800 € |
In beiden Fällen liegt der Einstandspreis unter dem Durchschnittskurs. Trotzdem lag die Einmalanlage vorn, als der Kurs stieg. Den niedrigeren Einstandspreis gibt es so oder so; welcher Plan vorn liegt, hängt davon ab, ob der Kurs fiel oder stieg, während das Geld hineinfloss. Im Zeitraum dieser Daten stiegen Aktien langfristig, also lag auch im Modell die Einmalanlage in mehr Pfaden vorn.
Dieser Vergleich gilt für Geld, das du schon hast. Legst du jeden Monat aus deinem Gehalt an, gibt es keinen Betrag, den du auf einmal anlegen könntest. Jedes Gehalt gleich bei Eingang anzulegen, ist im Grunde eine Einmalanlage des jeweiligen Monatsgeldes.
Im Monte-Carlo-Simulator kannst du eine Einmalanlage (72.000 € Startkapital, 0 € im Monat) mit 300 € im Monat über 20 Jahre vergleichen (ebenfalls 72.000 € insgesamt). Der Simulator kann einen Betrag nicht wie in diesem Artikel über die ersten Jahre verteilen, und er schreibt jede monatliche Sparrate am Monatsende gut. Außerdem rechnet die deutsche Seite in Euro und bezieht standardmäßig die Schwankungen des Wechselkurses zum Dollar ein. Seine Zahlen stimmen deshalb nicht mit denen hier überein.
Viele steuerbegünstigte Konten begrenzen, wie viel du pro Jahr einzahlen darfst. Mit einer solchen Grenze kann ein Betrag über dem Jahreslimit nicht auf einmal ins Konto; darin wird er zwangsläufig über mehrere Jahre verteilt. Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land, prüfe sie also für dein eigenes Konto. Fließt der Betrag wegen der Grenze über etwa fünf Jahre hinein, gibt der Abstand zwischen den Zeilen für 60 und 240 Monate einen groben Eindruck davon, was es ausmacht, den Rahmen früh auszuschöpfen oder über 20 Jahre zu verteilen. Was zu dir passt, hängt davon ab, ob dir Wachstum oder Buchverluste wichtiger sind. Um Steuern geht es in „Welche Rendite für den ETF-Sparplan annehmen?“.